Was ein LinkedIn-Newsletter eigentlich ist
Sie kennen wahrscheinlich die Benachrichtigung. Jemand, mit dem Sie vor drei Jahren nach einer Messe vernetzt wurden, „lädt Sie ein, seinen Newsletter zu abonnieren“. Meistens klickt man das weg. Manchmal nicht, und genau um diesen Unterschied geht es in diesem Artikel.
Technisch ist ein LinkedIn-Newsletter nichts anderes als eine Serie von LinkedIn-Artikeln, also längeren Texten mit Titelbild und Zwischenüberschriften, die weit mehr Platz bieten als ein Post. Sie legen ihn über „Artikel schreiben“ an, geben ihm einen Namen und eine Beschreibung und legen fest, wie oft er erscheinen soll. Laut LinkedIn-Hilfe sind bis zu fünf Newsletter möglich, mit beliebig vielen Ausgaben.
Was ihn von einem normalen Artikel unterscheidet, ist das Abo. Leser können ihn abonnieren, und beim Start können Sie Ihre Kontakte und Follower einladen. Wer Ihnen später neu folgt, bekommt laut LinkedIn automatisch eine Einladung zum Abonnieren dazu.
Wer darf einen LinkedIn-Newsletter starten?
Für Personen ist die Sache inzwischen einfach. Auf der Seite zu den Zugangskriterien schreibt LinkedIn, dass alle Mitglieder Zugang zur Newsletter-Funktion haben. Früher hing das am sogenannten Creator-Modus, den LinkedIn 2024 abgeschafft hat. Ältere Anleitungen im Netz erzählen deshalb noch von Follower-Schwellen und Schaltern, die es so nicht mehr gibt.
Bei Unternehmensseiten ist LinkedIn strenger. Die Seite braucht mehr als 150 Follower. Außerdem schaut LinkedIn, ob dort bisher eigene Inhalte erschienen sind und ob die Seite sauber dasteht, also ohne Regelverstöße. Anlegen darf den Newsletter nur, wer Super-Admin oder Content-Admin der Seite ist.
Falls Sie die Option nicht finden: Sie steckt im Editor für Artikel, im normalen Post-Fenster sucht man sie vergeblich. Fehlt sie bei einer Unternehmensseite, liegt es fast immer an den Kriterien oben.
Was passiert, wenn Sie eine Ausgabe veröffentlichen?
Hier liegt der eigentliche Reiz. Ein normaler Post erreicht nur einen Teil Ihrer Kontakte, wie viele genau, entscheidet der Feed. Bei einem Newsletter verschickt LinkedIn nach jeder Ausgabe Benachrichtigungen an alle Abonnenten, und zwar als Push-Nachricht, in der App und als E-Mail. So steht es in der Hilfe zu Newslettern.
Eine Nachricht im Postfach ist etwas anderes als ein Post, an dem man beim Scrollen vorbeiwischt. Wer abonniert hat, wollte das. Das macht den Newsletter für Unternehmer mit erklärungsbedürftigen Angeboten interessant, also für Berater oder Spezialisten mit einem klaren Fachgebiet.
Viele Abonnenten sehen allerdings zuerst nur die Benachrichtigung, und die entscheidet, ob die Ausgabe geöffnet wird. Der Titel einer Ausgabe muss deshalb so funktionieren wie die erste Zeile eines guten Posts. „Newsletter Ausgabe 7, Oktober“ öffnet niemand. „Warum wir 2026 keine Rabatte mehr geben“ schon eher, wenn die Ausgabe dann auch hält, was der Titel verspricht.
Die Kehrseite sieht man erst nach ein paar Monaten. Wer drei Ausgaben verschickt und dann ein halbes Jahr nichts, hat eine Liste von Menschen, die sich an ihn als den erinnern, der aufgehört hat.
LinkedIn-Newsletter oder E-Mail-Newsletter?
Die Frage liegt nahe, und die ehrliche Antwort ist ein bisschen unbequem, weil die beiden unterschiedliche Probleme lösen.
LinkedIn-Newsletter | E-Mail-Newsletter | |
|---|---|---|
Wem gehört die Liste? | Ihnen | |
Abonnenten gewinnen | Leicht, Einladung an Kontakte und neue Follower läuft automatisch mit | Mühsam, eigenes Formular, Double-Opt-in, Werbung dafür |
Technik und Kosten | Keine, alles in LinkedIn | Versand-Tool plus Datenschutz-Pflichten |
Wenn sich die Regeln ändern | Sie haben keinen Einfluss | Die Liste bleibt bei Ihnen |
Der Punkt, den viele unterschätzen, ist die erste Zeile. Eine Funktion, mit der Sie die E-Mail-Adressen Ihrer Abonnenten herunterladen, gibt es nach unserem Kenntnisstand nicht. Wenn LinkedIn morgen entscheidet, Benachrichtigungen anders zu verschicken oder das Format umzubauen, können Sie nichts tun. Das ist kein theoretisches Risiko, LinkedIn hat schon öfter Funktionen eingeführt und wieder eingestellt, das LinkedIn Karussell zum Beispiel.
Unser Rat deshalb: Nutzen Sie den LinkedIn-Newsletter als Schaufenster und nicht als Lager. Wenn Sie ohnehin eine eigene E-Mail-Liste haben oder aufbauen wollen, verweisen Sie in jeder Ausgabe darauf, mit einem echten Grund, warum man sich dort zusätzlich eintragen sollte.
Für wen lohnt sich ein LinkedIn-Newsletter, und für wen nicht?
Wer nicht einmal regelmäßig postet, braucht keinen Newsletter. Das klingt hart, ist aber reine Rechnung.
Ein Newsletter ist mehr Arbeit als ein Post, nicht weniger. Eine Ausgabe hat schnell 800 bis 1.500 Wörter, und dafür braucht es erst mal ein Thema, das so viel Text überhaupt trägt. Pünktlich erscheinen soll sie dann auch noch. Wer es schon nicht schafft, zwei kurze Posts pro Woche zu veröffentlichen, wird den Newsletter nach der dritten Ausgabe genauso liegen lassen. Solche verwaisten Newsletter sieht man auf LinkedIn ständig.
Bei unseren Partnern starten wir deshalb fast immer mit Posts, zwölf im Monat, drei pro Woche. Damit entsteht Sichtbarkeit in der Zielgruppe, und um die geht es am Ende: Reichweite allein bezahlt keine Rechnung, Profilbesuche aus der richtigen Zielgruppe und Anfragen schon. Bei einem Partner waren es so 1.300 Profilbesucher in 90 Tagen. Wie Sie solche Besucher besser nutzen, steht im Artikel über LinkedIn Profilbesucher.
Sinnvoll wird ein Newsletter, wenn das Posten läuft und Ihnen die Länge eines Posts nicht mehr reicht, weil Leser in den Kommentaren nachfragen, wie Sie das genau machen. Oder wenn Sie ein Fachgebiet haben, in dem man wirklich in die Tiefe gehen kann, Steuerrecht etwa oder Zahlungsabwicklung im Onlinehandel. Dann ist der Newsletter die Fortsetzung des Gesprächs, das im Feed angefangen hat.
Noch etwas spricht dagegen, das Posten durch einen Newsletter zu ersetzen. Im Feed entstehen Diskussionen, und die sind nach unserer Erfahrung der Motor für Reichweite. Ein Post aus dem eigenen Profil von gefragter. kam auf 332 Kommentare, mehr Kommentare als Reaktionen. Ein langer Artikel wird eher gelesen und vielleicht gespeichert, aber selten so lebhaft diskutiert.
Wie oft sollte ein LinkedIn-Newsletter erscheinen?
So oft, wie Sie es ein Jahr lang durchhalten. Für die meisten Unternehmer heißt das einmal im Monat, manche schaffen alle zwei Wochen. Wöchentlich klingt ambitioniert und ist es auch.
Wichtiger als die Frequenz ist, dass sie stimmt. Wenn Sie beim Anlegen „wöchentlich“ angeben und dann monatlich liefern, merken die Leser das. Wann Ihre Posts im Feed am besten laufen, ist übrigens eine andere Frage, die wir im Artikel Wann auf LinkedIn posten beantworten.
Wenn Sie das regelmäßige Posten erst einmal auf eine stabile Basis stellen wollen, bevor Sie über einen Newsletter nachdenken: Im LinkedIn Ghostwriting schreiben wir drei Posts pro Woche in Ihrer Sprache, Sie geben jeden frei, und der Aufwand für Sie liegt nach dem Start-Workshop bei etwa zwei bis drei Stunden im Monat.
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