Kennen Sie das? Montagmorgen, die App meldet: „17 Personen haben Ihr Profil angesehen.“ Man tippt drauf, erkennt einen Namen, denkt kurz „ach, der“, und dann klingelt das Telefon. Eine Woche später das Gleiche. Genau an dieser Stelle verschenken die meisten Unternehmer auf LinkedIn mehr Chancen als irgendwo sonst, und es fühlt sich nicht mal so an.
Was Sie kostenlos sehen und was nur mit Premium
LinkedIn hat die Unterschiede in einem eigenen Hilfeartikel aufgelistet. Kurz gefasst, Stand November 2026:
Mit dem kostenlosen Konto sehen Sie die Zahl Ihrer Profilbesucher und die drei neuesten Besucher aus den letzten 90 Tagen mit Namen. Dazu kommen zusammengefasste Infos, zum Beispiel bei welchen Firmen Ihre Besucher arbeiten und welche Jobtitel sie haben.
Premium (Career oder Business) zeigt die vollständige Liste für bis zu 365 Tage und lässt sich unter anderem nach Unternehmen und Branche filtern.
Drei Namen klingt wenig. Unterschätzen Sie aber die zusammengefassten Infos nicht. Wenn dort steht, dass vier Leute von derselben Firma auf Ihrem Profil waren, ist das oft ein besseres Signal als jeder einzelne Name, denn so etwas passiert selten zufällig. Ob sich Premium für Sie lohnt, hängt im Grunde nur an einer Frage: Würden Sie mit der vollen Liste auch wirklich arbeiten? Wenn nein, sparen Sie sich das Geld.
Privater Modus: Wer sich versteckt, sieht selbst weniger
In den Einstellungen unter Sichtbarkeit legen Sie fest, wie andere Sie sehen, wenn Sie ihr Profil anschauen. Es gibt drei Stufen, mit Namen und Slogan, halbprivat (nur Merkmale wie Branche oder Jobtitel) und komplett privat. Der Haken steht in der LinkedIn-Hilfe zum privaten Modus: Wer mit kostenlosem Konto privat surft, sieht auch die eigenen Besucher nicht mehr. Mit Premium geht beides, privat schauen und trotzdem die eigene Liste sehen. Wer bei Ihnen privat vorbeischaut, bleibt allerdings auch für Premium-Mitglieder anonym.
Unsere Meinung dazu ist ziemlich klar. Wenn Sie über LinkedIn Kunden gewinnen wollen, surfen Sie sichtbar. Ihr Besuch auf einem Profil ist selbst ein kleines Signal, die Person sieht Ihren Namen und Ihren Slogan und schaut vielleicht zurück. Das funktioniert natürlich nur, wenn Ihr Slogan in den ersten Zeichen verrät, was Sie machen, dazu mehr im Artikel über den LinkedIn Profil Slogan.
Privat schauen ergibt Sinn, wenn Sie Wettbewerber anschauen oder einen Bewerber prüfen. Für alles andere kostet es Sie mehr, als es bringt.
Warum Profilbesucher die wärmsten Kontakte sind, die Sie haben
Jemand hat Ihren Namen gesehen, unter einem Kommentar oder einem Post, und hat sich entschieden, mehr wissen zu wollen. Das ist eine bewusste Handlung. Kein Kaltkontakt ist so warm.
Wie viele das sein können, sehen wir bei unseren Partnern. Einmal waren es 1.300 Profilbesucher in 90 Tagen. Ein anderes Mal 1.302 Profilansichten in nur sieben Tagen, in einer Woche, in der die Posts zusammen auf 31.749 Impressions kamen. Das sind keine Followerzahlen, das sind Menschen, die aktiv nachgeschaut haben, wer da schreibt.
Und was passiert dann mit diesen Leuten? Bei den meisten Unternehmern, mit denen wir sprechen, ehrlich gesagt gar nichts. Man schaut auf die Liste und freut sich kurz. Dann geht der Tag weiter. Fragt man nach, warum, hört man meistens eine von zwei Antworten: „Ich will nicht creepy wirken“ und „Ich wüsste nicht, was ich schreiben soll“. Beides ist verständlich, und beides lässt sich lösen.
Wie spreche ich LinkedIn-Profilbesucher an, ohne aufdringlich zu wirken?
Die wichtigste Regel zuerst: Erwähnen Sie den Profilbesuch nicht als Hauptgrund Ihrer Nachricht. „Ich habe gesehen, dass Sie mein Profil besucht haben, darf ich Ihnen unser Angebot vorstellen?“ ist genau die Nachricht, die alle hassen. Suchen Sie stattdessen einen Anlass, der mit der Person zu tun hat (ihr letzter Post etwa oder ein gemeinsamer Kontakt), und verkaufen Sie in der ersten Nachricht nichts. Auch rechtlich ist das übrigens die bessere Idee, mehr dazu unter Kaltakquise auf LinkedIn.
Ein paar Beispiele, bewusst unterschiedlich gebaut. Nehmen Sie sie als Richtung, nicht als Vorlage zum Kopieren.
Wenn Sie noch nicht vernetzt sind und die Person in Ihrer Zielgruppe sitzt, reicht eine kurze Vernetzungsanfrage mit Bezug:
Hallo Frau Brandt, wir sind uns auf LinkedIn offenbar über den Weg gelaufen, und Sie schreiben viel über Personalplanung in der Pflege. Das ist auch mein Thema. Ich würde mich freuen, wenn wir vernetzt sind.
Wenn Sie schon vernetzt sind und die Person kürzlich selbst etwas gepostet hat, knüpfen Sie daran an. Das ist fast immer der leichteste Einstieg:
Herr Kaiser, Ihr Post zur Umstellung auf E-Rechnung letzte Woche hat bei uns intern eine kleine Diskussion ausgelöst. Wie lange hat das bei Ihnen gedauert, bis die Buchhaltung mitgezogen hat?
Manche Leute mögen es direkter. Das hier funktioniert nur, wenn es zu Ihrem Ton passt, aber dann oft gut, weil es ehrlich ist:
Ich gebe zu, ich schaue auch regelmäßig, wer bei mir vorbeischaut, und Ihr Name ist mir aufgefallen, weil Sie genau in dem Bereich arbeiten, über den ich gerade viel schreibe. Was hat Sie denn auf mein Profil gebracht?
Ja, das widerspricht der Regel von oben ein Stück weit. Der Unterschied ist, dass danach kein Angebot kommt, sondern eine echte Frage, und dass der Ton das Ganze leicht hält.
Und manchmal genügt eine einzige Frage, ohne Anlauf: „Frau Yilmaz, kurze Frage aus Neugier: Lassen Sie Ihre Shop-Texte eigentlich intern schreiben oder extern?“ Die Frage muss sich in einem Satz beantworten lassen. Alles, was nach Fragebogen klingt, bleibt liegen.
Was in keiner der Nachrichten steht: ein Angebot oder ein Link. Das kommt, wenn überhaupt, später und nur, wenn die Person Interesse zeigt.
Wann Sie lieber nichts schreiben
Nicht jeder Besucher ist ein Kontakt. Wettbewerber schauen gern mal vorbei, Recruiter auch. Und gerade nach einem gut laufenden Post kommen viele Leute, die einfach neugierig waren und mit Ihrem Geschäft nichts zu tun haben. Wer nicht in Ihre Zielgruppe passt, bekommt keine Nachricht. Das schont beide Seiten, und es schont auch Ihre Annahmequote.
Ein Ablauf für jede Woche, in 15 Minuten
Am Wissen scheitert es selten, eher an der Regelmäßigkeit. Deshalb hilft ein fester Termin mehr als jede Vorlage, bei uns sieht das sinngemäß so aus:
Einmal pro Woche (Dienstag oder Mittwoch, wenn der Montag-Schwung vorbei ist) die Liste und die Firmen-Infos durchgehen.
Alle markieren, die zur Zielgruppe passen. Meist sind das nur ein paar wenige, das ist normal.
Bei jedem kurz aufs Profil und in die letzten Aktivitäten, um einen Anlass zu finden, dann eine persönliche Nachricht. Kein Anlass da? Dann lieber einen ihrer Posts ernst gemeint kommentieren und eine Woche warten.
Und dann das, was fast alle weglassen: aufschreiben, wer geantwortet hat. Sonst wissen Sie in einem Monat nicht mehr, mit wem Sie schon gesprochen haben.
Das klingt fast zu einfach. Die meisten halten es trotzdem keine vier Wochen durch, nicht aus Faulheit, sondern weil das Tagesgeschäft lauter ist.
Nebenbei sind Profilbesucher aus der Zielgruppe eine ehrlichere Kennzahl als vieles, was LinkedIn Ihnen sonst anzeigt. Warum wir zum Beispiel vom Social Selling Index wenig halten, steht in einem eigenen Artikel.
Wenn Ihnen diese 15 Minuten pro Woche regelmäßig durchrutschen, können Sie die Arbeit abgeben. Bei unserer LinkedIn-Leadgenerierung legen wir mit Ihnen fest, wer zu Ihren Zielkunden gehört. Danach recherchieren wir von Hand und schreiben die Leute in Ihrem Namen persönlich an, über Ihr eigenes Profil und ohne Automatisierungs-Tool. Sobald jemand echtes Interesse zeigt, übergeben wir das Gespräch an Sie.
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