Was LinkedIn an den Hashtags geändert hat
Vor ein paar Jahren funktionierte das noch anders. Man konnte Hashtags folgen fast wie Personen, es gab eigene Hashtag-Feeds, und im Profil standen die Themen-Hashtags, über die man angeblich spricht. Wer #Leadership unter seinen Post setzte, landete zumindest theoretisch bei allen, die #Leadership folgten.
Davon ist wenig übrig.
Im Februar 2024 strich LinkedIn mit dem Creator-Modus auch die „Talks about“-Hashtags aus den Profilen, Social Media Today wertete das als Rückzug von Hashtags als Entdeckungs-Werkzeug. Im Juli 2025 legte Produktchef Rishi Jobanputra in einem Video nach, ziemlich trocken übrigens: Einen Hashtag-Feed habe es früher gegeben, „but people were not really using it“ (Bericht bei Digital Information World). Laut Social Media Today erklärte er dazu, die Modelle erkennen das Thema eines Posts vor allem aus dem Text und dem Autor.
Mit dem Umbau des Feeds im März 2026 ist das noch deutlicher geworden, weil jetzt ein Sprachmodell den kompletten Post liest. Wie das im Detail funktioniert, steht im Artikel über den LinkedIn Algorithmus 2026. Für Hashtags heißt es schlicht: Das System braucht #Lagerlogistik nicht, um zu verstehen, dass Ihr Post von Lagerlogistik handelt. Das Wort im zweiten Satz reicht völlig.
Wie viele Hashtags sollte ein LinkedIn-Post haben?
Die offizielle und die ehrliche Antwort liegen hier ausnahmsweise nah beieinander. LinkedIn nennt keine Zahl. Laura Lorenzetti von LinkedIn News nannte Hashtags gegenüber Buffer „a nice to have, not a need to have“ und riet, nicht zu viele zu nehmen, es sei auch in Ordnung, ganz darauf zu verzichten.
Die Faustregel „drei bis fünf Hashtags“, die bis heute in vielen Ratgebern steht, stammt aus der Zeit, als man über Hashtag-Feeds tatsächlich neue Leser erreichen konnte. Diese Zeit ist vorbei. Wenn Sie uns fragen, sagen wir null bis drei, und im Zweifel null.
Was wir regelmäßig sehen, sind Posts mit zehn oder fünfzehn Hashtags am Ende. Das sieht, ehrlich gesagt, nach 2019 aus. Und es sendet ein Signal an die Leser, das man nicht unterschätzen sollte, nämlich dass hier jemand auf Reichweite hofft, statt etwas zu sagen.
Warum Hashtags meistens nur Deko sind
Jetzt die eigentliche These, und Sie dürfen ihr gern widersprechen: Bei den meisten Unternehmern sind Hashtags ein Ablenkungsmanöver. Nicht für die Leser, sondern für den Autor selbst.
Das Muster sieht oft so aus. Der Post beginnt mit „Heute möchte ich Ihnen etwas über unser neues Lager erzählen.“ Dann folgen zwölf Zeilen, sauber formuliert, und am Ende stehen #Logistik #Mittelstand #Innovation #Wachstum #Team. Die Hashtags sollen die Reichweite holen, die der erste Satz nicht verdient.
Nur kommt kaum jemand bis zu den Hashtags. Im Feed sieht man auf dem Handy die ersten Zeilen, dann „…mehr“. Wenn diese Zeilen niemanden packen, ist es egal, was ganz unten steht. Die Zeit, die in die Auswahl von Hashtags fließt, wäre im ersten Satz deutlich besser angelegt (oder in einer Frage am Schluss, bei der Ihre Leser Position beziehen müssen).
Noch ein kleiner Punkt, der uns beim Gegenlesen oft auffällt. Hashtags mitten im Satz, etwa „Wir haben die #Digitalisierung im #Vertrieb vorangetrieben“, machen einen Text holprig. Man liest über jedes Rautezeichen kurz drüber, und der Satz klingt plötzlich nach Pressemitteilung.
Wann ein Hashtag trotzdem Sinn ergibt
Es gibt sie, die sinnvollen Fälle. Sie haben gemeinsam, dass jemand tatsächlich nach diesem Begriff sucht oder ihn wiedererkennen soll:
Sie sind auf einer Messe oder einem Kongress, und der Veranstalter hat einen offiziellen Event-Hashtag. Teilnehmer klicken den oft noch Tage später an.
Ein echter Nischenbegriff aus Ihrer Branche, nach dem Fachleute suchen. #BFSG zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz ist so ein Fall, #Digitalisierung ist es nicht.
Eine eigene Reihe, die Sie regelmäßig posten. Hier hilft der Hashtag vor allem Ihnen und Ihren Stammlesern, ältere Folgen wiederzufinden.
Ein fester Kampagnen- oder Arbeitgeber-Hashtag Ihres Unternehmens, den auch Mitarbeiter verwenden.
Was fast nie etwas bringt, sind Sammelbegriffe wie #Erfolg oder #Motivation. Darunter laufen täglich unzählige Beiträge, und niemand aus Ihrer Zielgruppe sucht danach. Bevor Sie einen Hashtag setzen, können Sie ihn kurz in der LinkedIn-Suche eingeben. Tauchen dort Beiträge von Leuten auf, die Sie erreichen wollen? Dann passt er. Wenn nicht, lassen Sie ihn weg.
Wohin damit, falls Sie welche setzen? Ans Ende, gesammelt in eine Zeile.
Weil es oft verwechselt wird, noch kurz zu Markierungen mit @. Die sind etwas völlig anderes als Hashtags. Wer eine Person oder Firma markiert, schickt ihr eine Benachrichtigung, und das kann sinnvoll sein, wenn sie im Post wirklich vorkommt. Wir sehen aber auch Posts, in denen dieselbe Firma vier- oder fünfmal markiert ist, mitten im Text, bis man den Satz kaum noch lesen kann. Bei unseren Partnern gilt deshalb: jede Person und jede Firma höchstens einmal, und nur, wenn es einen Grund gibt, dass sie den Post sieht. Massenhaft markieren, damit irgendwer reagiert, wirkt auf die Markierten eher aufdringlich als schmeichelhaft.
Woher die Reichweite stattdessen kommt
Wenn Hashtags kaum noch Leser bringen, bleibt die Frage, was es dann tut. Kurz gesagt: der Text selbst und das, was darunter passiert. In unseren Zahlen sind Kommentare der stärkste Motor. Ein Post aus dem eigenen Profil von gefragter. hatte 29.373 Impressions und mehr Kommentare als Reaktionen, nämlich 332 zu 208. Getragen hat ihn die Diskussion darunter.
Wer das planbar machen will, braucht vor allem gute erste Sätze und Fragen, bei denen man sich nicht einfach raushalten kann. Genau daran arbeiten wir mit unseren Partnern im LinkedIn Ghostwriting: drei Posts pro Woche in Ihrer Sprache, jeder wird vorher von Ihnen freigegeben. Hashtags stehen da eher selten drunter.
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