Gibt es das LinkedIn Karussell überhaupt noch?
Kurze Geschichte, weil sie bis heute für Verwirrung sorgt. Im Sommer 2022 hat LinkedIn ein echtes Karussell-Format eingeführt, bei dem man Bilder direkt im Post zu einer wischbaren Reihe zusammenstellen konnte. Ein knappes Jahr später war es wieder weg: Ab dem 26. Juni 2023 hat LinkedIn die Funktion für normale Beiträge entfernt, zusammen mit Profilvideos und klickbaren Links in Bildern, so berichtete es damals Social Media Today. In Anzeigen gibt es Karussells weiterhin. Für Ihren eigenen Feed spielt das keine Rolle.
Geblieben ist der Umweg, der vorher schon funktioniert hat und den die meisten ohnehin genutzt haben: das Dokument. Laut LinkedIn-Hilfe nimmt LinkedIn neben PDF auch Office-Dateien an, maximal 100 MB und 300 Seiten. Das klappt auch in Gruppen oder auf einer Unternehmensseite. Dazu kommt ein Titel, der über dem Dokument steht.
Wenn heute also jemand „Karussell“ sagt, meint er diesen PDF-Post. Im LinkedIn-Menü heißt er schlicht Dokument, deshalb sucht auch kaum jemand nach dem richtigen Namen. Wir bleiben in diesem Artikel beim Wort Karussell, weil es das ist, was alle im Kopf haben.
Welche Maße hat ein LinkedIn Karussell?
Hier wird es ein bisschen unbefriedigend: LinkedIn nennt für normale Dokument-Posts keine Pixelmaße. In den Vorgaben für Dokument-Anzeigen steht nur, dass Sie beim Seitenformat freie Wahl haben und dass alle Seiten eines PDFs dieselbe Größe haben müssen. Was sich in der Praxis bewährt hat, sieht so aus:
Format | Maße (Pixel) | Wofür es taugt |
|---|---|---|
Hochformat 4:5 | 1080 × 1350 | Unser Standard. Nimmt auf dem Handy die meiste Fläche im Feed ein. |
Quadrat 1:1 | 1080 × 1080 | Wenn Sie einzelne Folien später auch als Einzelbild posten wollen. |
Querformat 16:9 | 1920 × 1080 | Nur, wenn es wirklich eine Präsentation ist. Auf dem Handy wirkt alles klein. |
Zwei Dinge noch, die fast immer schiefgehen. Erstens die Schrift: LinkedIn schreibt in seinen Hinweisen zu Dokumenten selbst, dass kleine Schrift die Leser anstrengt, und rät zu PDF statt PowerPoint, weil bei der Umwandlung Qualität verloren geht. Unsere Faustregel ist simpler: Halten Sie das Handy auf Armlänge. Wenn Sie den Text dann nicht lesen können, ist er zu klein.
Zweitens die Links. Die sind im Dokument-Player nicht klickbar. Wer auf der letzten Seite „Jetzt Termin buchen“ mit URL platziert, verschenkt die Seite. Der Link gehört in den Begleittext.
Aufbau Seite für Seite
Ein Karussell ist eine kleine Geschichte mit Blätter-Rhythmus. Jede Seite muss den Grund liefern, die nächste anzusehen, sonst ist nach Folie zwei Schluss. So bauen wir es meistens auf:
Seite 1, der Titel. Das ist Ihr Hook, und er entscheidet allein darüber, ob überhaupt gewischt wird. Konkret versprechen, was kommt: „So kalkulieren wir einen Festpreis, ohne am Ende draufzuzahlen“ funktioniert, „5 Tipps für bessere Angebote“ eher nicht.
Seite 2 holt das Problem ab, in einem oder zwei Sätzen. Warum sollte sich gerade Ihr Leser darum kümmern?
Ab Seite 3 folgt der Inhalt, ein Gedanke pro Seite. Wenn eine Folie zwei Gedanken hat, sind es eigentlich zwei Folien. Wenn sie gar keinen hat (das passiert öfter, als man denkt), fliegt sie raus.
Die letzte Seite sagt, wer Sie sind, und stellt eine Frage, die man in den Kommentaren beantworten kann. „Folgen Sie mir für mehr“ ist keine Frage.
Und dann der Text über dem Dokument, den die meisten vergessen. Drei bis fünf Zeilen, die auch ohne Karussell Sinn ergeben. Viele Leser sehen erst den Text und entscheiden dann, ob sie das PDF überhaupt antippen. Ist der Begleittext nur „Neues Karussell, schaut mal rein!“, haben Sie die Hälfte schon verloren, bevor jemand die erste Folie sieht.
Optisch reicht wenig: große Schrift und eine Farbe, die zu Ihnen gehört. Bitte kein Template, das auf jedem dritten Profil auftaucht.
Wann lohnt sich ein Karussell, und wann nicht?
Ein Karussell lohnt sich, wenn der Inhalt eine Reihenfolge hat. Eine Anleitung in sechs Schritten etwa, oder eine Checkliste, die man speichern und später wieder aufrufen will. Auch Vorher-Nachher-Vergleiche sind stark, weil das Wischen selbst die Spannung erzeugt (erst das Problem sehen, dann die Lösung).
Ein Beispiel aus unserer eigenen Arbeit: Bei einer Profiloptimierung lautete der Slogan einer Backoffice-Managerin vorher „vorbereitende Buchhaltung | Rechnungswesen | Mahnwesen | Backoffice | Administration für kleine & mittlere Unternehmen/ Startups/ Solopreneur“. In unserem Slogan-Check bekam er 5 von 100 Punkten. Die neue Version kam auf 100. Den alten Slogan auf eine Folie, den neuen auf die nächste, das erklärt sich praktisch von allein, und jeder Leser prüft dabei unwillkürlich seinen eigenen Slogan. Wie so ein Slogan aufgebaut ist, zeigen wir übrigens ausführlich im Artikel über den LinkedIn Profil-Slogan.
Weniger gut läuft es, wenn der Gedanke eigentlich in zwei Sätze passt. Wir sehen ständig Karussells mit zwölf Folien, auf denen ein einziger Satz ausgewalzt wurde, damit es nach Aufwand aussieht. Das merkt der Leser ab Folie drei und ist weg. Eine steile These oder eine persönliche Geschichte gehört in einen normalen Text-Post. Dort entstehen Kommentare, und Kommentare sind nach unserer Erfahrung der Motor für Reichweite. Ein Karussell wird eher gespeichert als diskutiert.
Dazu kommt eine Beobachtung, die nicht jedem gefällt. Bei unseren Partnern schlagen persönliche Geschichten fachliche Inhalte immer wieder deutlich, und ein Karussell ist fast immer fachlich. Schlecht ist es deswegen nicht. Aber ein Profil, das nur aus hübschen Anleitungs-PDFs besteht, wirkt wie ein Lehrbuch, und bei einem Lehrbuch denkt keiner daran, mal anzurufen.
Was die Verteilung im Feed angeht, kursieren viele Behauptungen, Karussells würden vom Algorithmus bevorzugt oder bestraft. Belastbare Zahlen von LinkedIn dazu kennen wir nicht. Was wir im Artikel zum LinkedIn Algorithmus beschreiben, gilt auch hier: Am Ende zählt, ob Menschen sich mit dem Post beschäftigen.
Was wir bei Partnern testen
Welche Form bei Ihnen trägt, wissen wir vorher auch nicht. Deshalb testen wir in den ersten drei Monaten der Zusammenarbeit die Bildsprache, also Fotos, Grafiken und eben Karussells, und schauen jede Woche auf die Zahlen. Es kann gut sein, dass Karussells bei Ihnen fester Bestandteil werden. Genauso gut kann ein schnelles Foto aus dem Lager mehr auslösen als jede designte Folie, dann fliegen sie eben wieder raus.
Ein Karussell kostet ehrlich gesagt deutlich mehr Zeit als ein Text-Post. Konzept, Text, Gestaltung, Export, und dann noch ein Begleittext, der für sich allein steht. Wenn Sie das nebenbei machen, landen Sie schnell bei einem Karussell im Monat und dazwischen bei Funkstille. Wer sich auch mit bewegtem Bild beschäftigt, findet im Ratgeber zu LinkedIn Video unsere ehrliche Einschätzung, wann sich der Aufwand lohnt.
Wenn Sie das Ausprobieren nicht selbst übernehmen wollen: In unserem LinkedIn Ghostwriting schreiben wir zwölf Posts im Monat in Ihrer Sprache, testen die Formate mit und legen Ihnen jeden Post vor der Veröffentlichung zur Freigabe vor.
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